Das Blaue Wunder von Sayn – Blaue Schmetterlinge und Blaues Blut

Erstellt am 3. September 2015 von

Bendorf-Sayn Noch bis zum 1. Advent steht der Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn im Zeichen des Blauen Morphos, auch Himmelsfalter genannt. Auf den ersten Blick sieht man das «Blaue Wunder» jedoch kaum, denn in Ruheposition mit zusammengefalteten Flügeln entdeckt man den Blauen Morpho, dessen Heimat in Süd- und Mittelamerika liegt, nur schwerlich. « Diese Tarnung ist wichtig für die Falter, vor allem wenn sie ruhen», erklärt die Biologin Gerlinde Blaese. Erst beim Fliegen offenbart sich die ganze Schönheit: Die Flügel sind strahlend blau, wie der Himmel an einem schönen Sommertag. Nicht nur die Besucher lieben diesen Schmetterling, er wurde sogar zum Markenzeichen von Sayn.

Doch das Schmetterlingshaus hat neben dem Himmelsfalter und den anderen farbenprächtigen Schmetterlingen noch vieles mehr zu bieten. Ein kleines Paradies, das zum Verweilen einlädt, ist dieser Tropengarten mit Bananenstauden, Lantanas, Hibiskus und Palmen, mit den Grotten und Brücken. Überall gibt es etwas zu entdecken. In den Teichen schwimmen Koi-Karpfen, und Schildkröten bevölkern das Ufer. Hastig eilen chinesische Zwergwachteln mit ihren nur hummelgroßen Küken über die Wege während der Grüne Leguan sich das muntere Treiben oben vom Wasserfall aus betrachtet, wenn er nicht gerade von seinem Olymp herabsteigt um im Teich ein genüssliches Bad zu nehmen. Mit etwas Glück und genauem Hinsehen kann man auch stecknadelgroße Schmetterlingseier entdecken und vielleicht auch die grünen gut getarnten Raupen eines tropischen Schwalbenschwanz- Schmetterlings. Gerne helfen die Biologin der Gärtner sowie die junge FöJ-lerin.

Die Besucher können bei einer Einführung oder durch die zahlreichen Infotafeln allerlei Wissenswertes über die Falter erfahren und bei einem langsamen Rundgang durch das Haus sogar direkte Bekanntschaft mit einem Schmetterling machen, wenn er sich auf der Schulter oder gar der Nase niederlässt.

Vor 28 Jahren gründete Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein dieses kleine exotische Paradies. «Die Menschen für die Natur zu begeistern ist unser Bestreben und dabei helfen uns die Schmetterlinge. Jeder Mensch mag diese anmutigen Geschöpfe und dadurch sind sie die besten Botschafter für die Umwelt. Doch wir müssen wieder lernen, genau hinzusehen und uns an den kleinen Dingen zu erfreuen», so die Fürstin. Gerlinde Blaese und das ganze Team des Schmetterlingsgartens freuen sich an ihrem Arbeitsplatz so vielen Menschen zu begegnen und ihnen einen «Zugang zur Natur» geben zu können.

Von März bis November sind über 50 verschiedene Schmetterlingsarten im Haus in Sayn zusehen erzählt die Biologin. Einen kleinen Teil der Schmetterlinge ziehe das Haus selbst heran. Doch der Großteil werde bei Züchtern in Südostasien, Afrika, Mittel- oder Südamerika zugekauft. Pro Woche bekommt der Schmetterlingsgarten 200 bis 400 Puppen, denen man mit etwas Glück, meist frühmorgens beim Schlüpfen zusehen kann. «Ein tropischer Schmetterling lebt nur drei bis sechs Wochen», erklärt die Biologin. «Durch den Kauf der Puppen haben wir aber auch im November genauso viele Schmetterlinge im Haus, wie im März. Zudem können wir den Menschen in den Ursprungsländern der Schmetterlinge ein sicheres Einkommen gewähren. Inzwischen leben z.B. in Costa Rica schon etwa 100 Familien vom Züchten der Schmetterlinge für die verschiedenen Schmetterlingshäuser in aller Welt.»

Im Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn, so der offizielle Name, bemüht man sich aber nicht nur um die tropischen Falterarten. “Heimische Schmetterlinge sind nicht im Haus zu finden, sie sollen draußen fliegen”, so die Fürstin, “dafür haben wir im Schlosspark, um das Schmetterlingshaus herum vieles angepflanzt, was heimische Schmetterlinge und deren Raupen brauchen “. Neben Nektarpflanzen, wie dem Sommerflieder, der Fetthenne und weiteren Stauden und Kräutern, findet man dort natürlich auch die Brennnessel als Futterpflanze einiger Raupenarten.

Bis Ende November wird auch die Ausstellung Margarete von Thurn und Taxis, Kaiserliche Hoheit, Krankenschwester, Künstlerin im Pavillon des Schmetterlingshauses zu sehen sein. Hier geht es nicht um Glanz und Gloria sondern um eine wirklich außergewöhnliche Frau. Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein möchte den Besuchern mit dieser Ausstellung über ihre Urgroßmutter aufzeigen welch bemerkenswerte, hochmoderne Frau Fürstin Margarete war, die im wahrsten Sinne des Wortes alte Zöpfe abschnitt. Die Mutter von sieben Kindern war nicht nur eine engagierte Krankenschwester, sie erwarb auch Anerkennung als Künstlerin und hinterließ ein großes Werk an Skulpturen und Malerei, darunter die Illustration „des Atlas der Heilpflanzen von Pfarrer Kneip“, die im Schmetterlingshaus als großformatige Drucke neben einigen Ölgemälden und privaten Fotos und Gegenständen zu sehen sind.

Untertitel Foto: Der Garten der Schmetterlinge in Bendorf-Sayn bei Koblenz beherbergt die ganze Saison von Anfang März bis Ende November tausendundeinen Schmetterling. Besonders im Fokus steht jedoch jetzt im Herbst der Himmelsfalter, das «Blaue Wunder von Sayn».

Blauer Morpho  (2)

Fürstin Margarete von Thurn und Taxis als Künstlerin

Raupe