Fürst zu Sayn-Wittgenstein jetzt Ehrenpräsident der DBV

Erstellt am 3. Mai 2013 von

Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein scheidet nach 27 Jahren aus dem Amt des Präsidenten der Deutschen Burgenvereinigung. Der Eigentümer von Schloss und Burg Sayn bei Koblenz hat, wie das Präsidium in der Einladung zu seiner Verabschiedung feststellt, durch „seine erfolgreiche und selbstlose Arbeit die älteste bundesweit tätige Denkmalinitiative geprägt und voran gebracht“.

Zur Nachfolgerin wählte die  Mitgliederversammlung am 28. April 2013 in Kassel die Architektin, promovierte Kunsthistorikerin und  Universitätsprofessorin Barbara Schock-Werner. Die ehemalige Dombaumeisterin von Köln war bereits seit 1995 Vizepräsidentin der Vereinigung. In diesem Amt folgt ihr als Vertreter der privaten Besitzer von Burgen und Schlössern Heinrich Ico Prinz Reuß. Der Eigentümer von Schloss Lechenich am Niederrhein ist Rechtsanwalt und Spezialist für Erbrecht. Als Schatzmeister bestätigte die Versammlung den Finanzfachmann Andres Ebhardt, Urenkel des Architekten Bodo Ebhardt, der 1899 in Berlin die Deutsche Burgenvereinigung für den Erhalt der historischen Wehr- und Wohnbauten gegründet hatte. Ebenfalls bestätigt wurden als Beisitzer die Architekturhistorikerin Prof. Dr. Sabine Bock und der Jurist und Denkmalschützer Rüdiger Mertens.

In seiner Abschiedrede stellte Fürst Sayn-Wittgenstein die Besonderheit dieser Denkmalinitiative heraus. „Ich kenne keine Denkmalorganisation in Deutschland, auch nicht in Europa, deren Mitgliedschaft auf vier Säulen ruht: den Objektbesitzern, den Denkmalpflegern, den Bauforschern und den Denkmalfreunden. Dieses gleich gewichtete Miteinander von vier sehr heterogenen Gruppierungen ist das Alleinstellungsmerkmal und die Stärke der DBV. Uns verbindet nicht ein persönliches Interesse, sondern die Sache selbst: die Burgen und Schlösser in Deutschland.“

Der scheidende Präsident appellierte den Einsatz für den Denkmalschutz nicht ruhen zu lassen. „Wir beobachten seit Jahren eine gefährliche Erosion des früher unbestrittenen Konsens, dass die öffentliche Hand die Objektbesitzer bei den denkmalpflegerischen Mehraufwendungen zu unterstützen hat, damit diese gegenüber dem normalen Hauseigentümer nicht wegen ihrer Denkmallast über Gebühr benachteiligt sind.“ Die für die Kultur zuständigen Länder würden die Denkmalförderung besonders für mittlere und kleinere Objekte dramatisch kürzen, zuletzt das reiche Land Nordrhein-Westfalen. Der weitgehende Ausfall von Fördermitteln führte zwangsläufig nach einigen Jahren zu einer neuen Denkmalnot. „Dann sind die finanziellen Töpfe aber ausgetrocknet.“

Für Fürst Sayn-Wittgenstein bleibt ein weiteres wichtiges Thema die Benachteiligung des Denkmalschutz gegenüber dem Umwelt-, Natur- oder Klimaschutz. „Wir erleben das etwa bei der überzogenen Forderung nach Wärmedämmung von Burgen und Schlössern, oder auch bei der unsensiblen Planung von Windkraftanlagen im Umfeld historischer Gebäude.“ Genauso wenig erführe der kulturelle Wert des Denkmals eine besondere Berücksichtigung bei vielerlei Steuern, Gebühren und Abgaben.
Zuletzt beklagt der scheidende Präsident eine mangelnde Anerkennung der Burgen, Schlösser, Klöster  und Gärten als Tourismusmagnet in Deutschland. „Kaum einer weiß, dass die rund 3.500 kommerziell betriebenen Objekte insgesamt rund 100 Millionen Besucher pro Jahr empfangen, weit mehr als alle Museen, Theater oder auch Fußballstadien, die alle ungleich mehr Förderung erhalten.“ Mit über 1 Milliarde Euro Umsatz im Tourismus, der unmittelbar an den Objekten erfolgt, würden unsere Baudenkmäler einen völlig unterschätzten Wirtschaftsfaktor darstellen. Auch hier würde noch sehr viel mehr Verbandsarbeit des deutschen Denkmalschutz notwendig werden.

Fürst Sayn-Wittgenstein geht dem Denkmalschutz mit seinem Abschied von der Spitzenposition der Deutschen Burgenvereinigung  nicht verloren. Er bleibt Vizepräsident von Europa Nostra, des europäischen Verbundes der Initiativen des Denkmal- und Landschaftsschutz und ebenso 2. Vorsitzender des Vereins Schlösser und Gärten in Deutschland. Auch seiner DBV bleibt er als neuer Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Burgenvereinigung eng verbunden, die jährlich besondere Leistungen für den Denkmalschutz mit einem Preis auszeichnen will.

Die Mitgliederversammlung ernannte Fürst Sayn-Wittgenstein in Kassel zu ihrem Ehrenpräsidenten.